Lichtblick in eine dunkle Geschichte

(Foto: Lanz/Bistum Limburg)

Henriette Kretz (83), ursprünglich aus Lemberg (heute aus Antwerpen) und Ignacy Golik  (95) aus Warschau, zwei aufgeschlossene und helle Menschen-Gestalten! Sie besuchten uns am Dienstag, 14. November 2017, in der Friedrich-Dessauer-Schule. Es war spannend und interessant für die vielen Schülerinnen und Schüler unserer Schule sowie einer Klasse 10 aus der Goethe-Schule, den Erzählungen dieser beiden „Groß-Eltern“ zu lauschen!

Herzzerreißend, aus der Erinnerung der damals fünfjährigen Henriette Kretz die Enttäuschung nachzuempfinden, die für sie mit der Erfahrung verbunden war, dass die jungen, singenden und hübschen deutschen Soldaten am Ende tatsächlich böse sein konnten! Sie vollstreckten letztendlich das Todesurteil, das Nazi-Deutschland über alle Menschen jüdischer Herkunft verhängt hatte, für fast die komplette Familie Kretz.

Wie grausam können Menschen zu Menschen sein, wenn sie sich auf die Fahne geschrieben haben, dass die einen angeblich zum Herrschen, die andern zum körperlichen Arbeiten, die dritten zum Dienen und die vierten zum Getötet werden bestimmt sein sollen! Wie schrecklich muss es sein, wenn ein 18-jähriger junger Mann ins KZ Ausschwitz gebracht wird, kein Wasser zum Waschen da ist, er aber sauber sein soll, wenn es nur Blumenkohlsuppe gibt und der Hunger immer wieder schmerzvoll und unbarmherzig lange durch den Körper zieht! Wie Menschen verachtend ist es, wenn man junge Leute, die im Alter unserer Schülerinnen und Schüler sind, als nummerierte Häftlinge in ständiger Todesangst danach suchen lässt, einer Arbeit innerhalb der mit Stacheldraht eingezäunten Grenzen des KZ-Geländes nachzugehen, die sie nicht – längst zu Tode erschöpft – am Ende doch dem Tode weiht!

Henriette Kretz und Ignacy Golik machten uns unmissverständlich klar, dass wir Menschen dazu neigen, uns von Negativem überzeugen zu lassen: sie warnten eindrücklich vor Propaganda und Gehirnwäsche. An diesen beiden Menschen, die den Holocaust als mehr oder weniger einzige Repräsentanten ihrer Familien überlebt haben, wurde deutlich, dass die Gefahr einer Einteilung der Menschen in solche, die angeblich mehr wert sind und solche, die weniger wert sein sollen, groß und ständig präsent ist. Die beiden quirligen Zeitzeugen des Menschen vernichtenden nationalsozialistischen Terrors sind in Zusammenarbeit mit dem Maximilian Kolbe Werk ständig unterwegs, um – so lange es noch eben geht – jungen Menschen eine Warnung zu sein vor unmenschlichem Fühlen und Denken.

Hier haben uns zwei lebendige und erleuchtende Lichtblicke in einer Zeit ins Gesicht geschaut, in der es aktuell wegen der Herausforderungen durch die vielfältigen Fluchtsituationen von Menschen wieder anfangen will dunkel zu werden in der menschlichen Gesinnung…

Helmut Laukötter

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